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Vereinschronik

Geschichte



Interessenverein, Interessen-Gemeinschaft, Bürgergemeinschaft
Vereins-Chronik


Wir können nicht genau nachprüfen, ob der am 26.02.1920 gegründete " Verein zur Wahrung gemeinnütziger Interessen für Rott und Umgebung", als dessen Nachfolger sich die 1958 gegründete Bürgergemeinschaft Rott versteht, damals ordentlich eingetragen war.

Aus den Erinnerungen von Josef Dornbusch, der in den 1920ern als Junge im Auftrage seines Onkels "Kasse-Jupp" die Mitgliederbeiträge einkassierte, aus der Rotter Schulchronik und aus dem 1996 wieder aufgetauchten Kassenbuch dieses Vereins wissen wir, dass der Vorsitzende des Vereins Otto von Lorn war, Kassierer bis 1926 Lehrer Flink, ab dann Josef Dornbusch ( "Kasse-Jupp)", der Rendant des Spar-und Darlehnskassenvereins Rott.

Für 1927 weist die Beitragsbuchführung 40 Mitglieder aus, was in etwa der Hälfte der damaligen Haushalte entsprach. Die Jahresbeiträge betrugen damals 50 Pfennige; 5 Mitglieder zahlten allerdings 1 Mark.

Es war eine unruhige Zeit; die staatliche Ordnung war nach dem ersten Weltkrieg schwer erschüttert. Diebstahl und Einbrüche erreichten ein bedrohliches Maß. Die englisch-kanadische Besatzungsmacht sah es auch nicht als ihre Aufgabe an, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.

So musste der Verein für Sicherheit sorgen und zuerst eine Nachtwache organisieren. Und da die Nachtware in diesen unsicheren Zeit nicht unbewaffnet im Dunkeln herumstolpern konnte, wurde ein Revolver mit Patronen für 182,50 Mark und Taschenlampen für 50 Mark angeschafft.

Bis 1921 war der größte Einzelposten des Kassenbuchs der Nachtwachdienst, der mit monatlich 175 Mark im November begann und im Juli 1922 (inflationsbedingt) mit 400 Mark endete.

Allerdings war der Verein auch für andere Aufgaben zuständig: 1921 tauchte eine Ausgabe von 200,-Mark " für Kinderbeihülfe" auf. Dann schaffte man auch einen Schlachttrog für Hausschlachtungen und einen Kappeshobel für Sauerkraut an, die gegen eine mäßige Gebühr von 50 Pfennig ausgeliehen werden konnten und auch eifrig genutzt wurden.

1922 tauchen Ausgaben für die Organisation einer eigenen Wasserversorgung auf: Lehrer Flink verbucht " für Vermessung der Wasserleitung" Ausgaben von insgesamt 548,-Mark. 1927 taucht das Projekt "Wasserleitung" wieder mit kleineren Ausgaben auf.

Von Januar 1923 an entsteht eine große Lücke in den Eintragungen. Lehrer Flink vermerkt auch den Grund dafür: Unter der Buchungszeile für den Kassenbestand zum 01.01.1923 steht: " Durch die Inflation des Geldes ist der vorhandene Kassenbestand wertlos geworden." Dies ist die letzte Eintragung vor dem 15. Januar 1925.

Mit der Einführung der Goldmark in 1924 war zwar die Inflation beendet, nicht aber die Wirtschaftskrise. Aber der Verein war in den Inflationsjahren nicht untätig geblieben: Er setzte sich für eine elektrische Straßenbeleuchtung in Rott ein. Strom gab es in Ort zwar schon seit 1911, aber nur für einige Privatanschlüsse und für den Meys´schen Basaltbruch südlich der Hardt.

Die Gemeinde selbst hatte- wie auch damals schon üblich- kein Geld. So verhandelte der Verein mit dem RWE und am 18. Januar 1925 konnte er ein Volksfest veranstalten, weil die Straßenlaternen zum ersten Mal leuchteten. Selbst von der Gemeinde kam ein Zuschuss von 250 Mark zu den Gesamtkosten von 600 Mark.

In 1923 schlossen sich noch die Landwirte Peter Neuhalfen und Franz Hausmann mit eigenen Lampen an das Netz an, ebenso der Kirchenvorstand, später kamen noch andere dazu. Der Verein bezahlte das Lichtgeld an die gleiche Adresse, an die wir heute noch zahlen: An die Betriebsverwaltung Berggeist in Brühl. Nur waren die Rechnungen etwas billiger als heute: Die teuersten Januarrechnungen lagen für die gesamte Beleuchtung bei knapp 14 Mark.

1939 brechen die Buchungen ab. Der Schriftwechsel wird nunmehr zwischen dem Berggeist und dem Ortsvorsteher Franz Stricker geführt, Belege werden allerdings teilweise von Dornbusch oder Flink abgezeichnet. Wesentliche Aufgaben des Vereins scheinen im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungen auf die Kommune übergegangen zu sein. Allerdings ist dabei wohl nicht alles geklärt worden: Während des Krieges musste die Beleuchtung wegen Verdunkelung ausgeschaltet werden. Trotzdem forderte das RWE 1946 vom Ortsvorsteher Stricker 35,04 Reichsmark für die Straßenbeleuchtung in der Verdunkelungszeit ein. Das Schreiben wird vom alten Vereinskassierer Dornbusch mit dem merkwürdigen Absender " Für die Straßenbeleuchtung für Rott" beantwortet. Das ist auch das letzte Lebenszeichen des Vereins.

1958 wurde dann auf Betreiben des damaligen Ortsvorstehers Heinrich Schumacher die "Interessengemeinschaft Rott" gegründet, die 1972 in die "Bürgergemeinschaft Rott e.V." überführt wurde, deren Vorsitzender seit 1981 Wolfgang Hovenbitzer ist. Er stellte über Jahre hinweg den Sankt Martin dar, wie es seit 1926 in Rott üblich ist. Allerdings wurden die Martinsumzüge zuerst von den Lehrern, dann vom Turnverein und seit Anfang der 70er von der Bürgergemeinschaft organisiert. Der erste Rotter Sankt Martin war Franz Hausmann. Schon er verteilte Wecken an die Kinder.



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